Kommunalwahl in Rosenheim – mein Einsatz als Wahlhelferin

Vorbereitung als Ersatz

Im März fanden in Bayern die Kommunalwahlen statt – so auch in Rosenheim. Nachdem ich mich bereits bei der letzten Bundestagswahl freiwillig als Wahlhelferin gemeldet hatte, wurde ich von der Stadt Rosenheim erneut angefragt, ob ich wieder unterstützen möchte. Für mich war sofort klar: Ich bin wieder dabei.

Einige Wochen vor der Wahl erhielt ich ein Schreiben, dass ich als Ersatz für den Beisitzerposten eingeplant bin. Das bedeutete allerdings auch, dass ich zunächst nicht wusste, ob ich tatsächlich gebraucht werde. Also hielt ich mir den Wahlsonntag frei und bereitete mich entsprechend vor.

Eine gute Woche vor dem Wahltag kam dann die Mail mit den Links zu den Schulungsvideos. Als Wahlhelferin muss man schließlich gut vorbereitet sein und die vorgeschriebenen Abläufe kennen. Die Stadt Rosenheim hatte dafür verschiedene Tutorials auf YouTube bereitgestellt. Die Abläufe zur Vorbereitung der Stadtrats- und Oberbürgermeisterwahl sowie die Auszählung der Stimmzettel wurden von Mitarbeitenden der Stadt – herrlich oberbayerisch und absolut verständlich – erklärt. An meiner Vorbereitung sollte es also nicht scheitern.

Zwei Tage vor der Wahl, am Freitag, kam dann tatsächlich der Anruf vom Wahlamt: Ich wurde gebraucht. Eingeteilt wurde ich für die Frühschicht sowie für die Auszählung am Abend.

Die Frühschicht als Wahlhelfer

Am Sonntag ging es um 7 Uhr los – eine Stunde vor Öffnung des Wahllokals. Ein Team besteht aus vier Personen: Wahlvorsteher:in, Schriftführer:in und zwei Beisitzer:innen. Unser Einsatzort war das Bürgerhaus im Rosenheimer Stadtteil Happing.

Zunächst verwandelten wir den Raum in ein Wahllokal: Wahlkabinen aufbauen, Wegweiser anbringen, Muster-Stimmzettel und Wahlordnung aushängen, Tische stellen, Unterlagen sortieren und die Wahlurnen aufstellen und versiegeln. Danach besprachen wir noch einmal kurz die Abläufe. Diese waren folgendermaßen: Erste Anlaufstelle war meine Beisitze-Kollegin – nachdem ich mir Namen schlecht merken kann, nannte ich sie „Die Nette“. Sie prüfte anhand der Wahlbenachrichtigung, ob die Person im richtigen Wahllokal war, und händigte die Stimmzettel aus – einen großen für die Stadtratswahl und einen kleineren für die Oberbürgermeisterwahl.

Anschließend ging es in die Wahlkabine. Mit den gefalteten Stimmzetteln kamen die Wählenden dann zu mir. Ich nahm die Wahlbenachrichtigung entgegen und suchte die Person anhand der Nummer im Wählerverzeichnis. Falls jemand keine Benachrichtigung dabei hatte, reichte auch der Personalausweis.

Danach ging es weiter zur Wahlurne, die vom Wahlvorsteher – ich nannte ihn „Zauselbart“ – freigegeben wurde. Neben mir saß die Schriftführerin, der ich insgeheim den Namen „Gscheidhaferl“ gab. Sie hakte die Namen im Wählerverzeichnis, sobald die Stimmzettel eingeworfen wurden.

Punkt 8 Uhr wurde das Wahllokal geöffnet, und die ersten „frühen Vögel“ ließen nicht lange auf sich warten. Einige mussten wir leider direkt wieder wegschicken, da sie im falschen Wahllokal gelandet waren – offenbar waren die Wahlbezirke neu aufgeteilt worden.

Am Vormittag herrschte ein stetiges Kommen und Gehen. Die Kabinen waren selten alle gleichzeitig besetzt, aber es war immer etwas los. Besonders herausfordernd waren ein paar wenige Situationen: Manche ältere Mitbürger:innen waren mit den großen Stimmzetteln, die ungefähr so handlich wie ein Beipackzettel waren, sichtlich überfordert und wollten, dass wir ihnen beim Ausfüllen halfen – was wir natürlich nicht durften. Andere kamen mit offenem Stimmzettel aus der Kabine, was wir zum Schutz des Wahlgeheimnisses verhindern mussten.

Das Publikum war bunt gemischt und überwiegend sehr freundlich. Viele bedankten sich für unseren Einsatz oder hatten einen lockeren Spruch parat. Unser persönliches Highlight war jedoch ein kleines Kätzchen, das seelenruhig ins Wahllokal spazierte und sich von allen streicheln ließ. Wir tauften sie „Spionierkatze“.

Ab etwa 11:30 Uhr begann die Rush Hour: Alle Kabinen waren durchgehend belegt, und die Zeit verging wie im Flug. Um 12:30 Uhr wurden wir von der Nachmittagsschicht abgelöst, und um 13 Uhr war unsere Schicht beendet. Um 18 Uhr sollten wir uns wieder zur Auszählung treffen. Natürlich nutzte ich die freie Zeit, um selbst in meinem Wahllokal meine Stimmen abzugeben.

Die Auszählung am Abend

Kurz vor 18 Uhr trafen wir uns wieder. Punkt sechs wurde das Wahllokal geschlossen, und die Auszählung begann. Zunächst bauten wir die Kabinen ab, dann ging es an die Stimmen der Oberbürgermeisterwahl. Das Verfahren war überschaubar: Stimmzettel sortieren, ungültige Stimmzettel für die spätere Beschlussfassung aussortieren, Stimmen zählen und alles mit dem Wählerverzeichnis abgleichen.

Kaum waren wir fertig, tauchte auch die Spionierkatze wieder auf und leistete uns Gesellschaft beim weiteren Auszählen.

Die Stadtratswahl war deutlich aufwändiger: Pro Stimmzettel konnten bis zu 44 Stimmen vergeben werden. Listenkreuz, Einzelstimmen, Kumulieren, Panaschieren – alles war möglich. Das heißt, eine Person konnte die Stimme auf bis zu 44 einzelne Personen zu verteilen, dabei kann jeder Kandidierende bis zu 3 Stimmen erhalten. Man kann aber auch ein Listenkreuz vergeben, einzelne Personen zu streichen und die verbleibenden Stimmen an einzelne Kandidaten einer anderen Partei zu geben. Zum Glück erfolgte die Auszählung digital. Zwei Laptops mit entsprechender Software erleichterten uns die Arbeit enorm. Jeder Stimmzettel erhielt eine Identifikationsnummer und wurde im System erfasst. Die Bedienung war intuitiv und erstaunlich effizient.

Nach Abschluss der Eingabe wurden die Ergebnisse dokumentiert und ans Wahlamt übermittelt. Gegen 21:30 Uhr waren wir fertig – inklusive Aufräumen und dem Hinausbegleiten unserer pelzigen Besucherin.

Die Stichtagswahl zwei Wochen später

Zwei Wochen später kam es zur Stichwahl zum Oberbürgermeister. Zur Wahl standen die Kandidaten von CSU und SPD. Für uns Wahlhelfer blieb die Konstellation gleich: Vormittagsschicht und Auszählen am Abend.


Also trafen wir uns um Punkt sieben Uhr wieder im Wahllokal und starteten wieder mit dem Aufbau der Wahlkabinen und dem Herrichten des Raumes. Dann folgte eine böse Überraschung: Beim Anbringen der Wegweiser zum Wahllokal blieb mein Blick auf beim Parkplatz hängen. An meinem Auto fehlte doch tatsächlich das Nummernschild – what the f***! Beim Losfahren war mir schon aufgefallen, dass das Garagentor offen stand… Konnte es sein, dass jemand das Nummernschild über Nacht geklaut hatte oder konnte ich es unterwegs verloren haben? Zumindest war jetzt schon mal klar, dass ich am Nachmittag den Rosenheim Cops einen Besuch abstatten würde.

Nachdem bei der Stichwahl nur ein Kreuzchen zu vergeben war und wir im Ablauf schon geübt waren, sollte diese Wahl ganz easy und entspannt werden. Leider ließ die Wahlbeteiligung sehr zu wünschen übrig, so dass es sehr ruhig war und die Zeit nur langsam zu vergehen schien. Unsere Rettung war ein öffentlicher Bücherschrank am Eingang des Bürgerhauses, durch den wir uns mit etwas Lesestoff für die ruhigen Phasen versorgen konnten. Mittags ging für uns die Schicht ohne irgendwelche Zwischenfälle zu Ende.

Auf dem Heimweg machte ich nochmals einen kleinen Zwischenstopp bei den Orten, an denen ich am Vortag war um nachzusehen, ob dort mein Nummernschild irgendwo lag. War natürlich nicht der Fall. Den freien Nachmittag verbrachte ich mit Mittagessen, einen kleinen Spaziergang zum eigenen Wahllokal um selbst noch zu wählen und einem Ausflug zum Polizeidienststelle, um mein abhanden gekommenes Kennzeichen zu melden. Wie sich später herausstellen sollte, wurde unser Nummernschild, und auch das von einer Nachbarin, tatsächlich über Nacht direkt in unserer Tiefgarage gestohlen. Heißes Pflaster hier in Rosenheim…

Die meisten Wahlhelfenden sind Angestellte der Stadtverwaltungen, die zum Mithelfen bei den Wahlen verdonnert werden. Die Aufwandsentschädigung liegt bei 40 bis 50 Euro – reich wird man damit nicht, es geht viel mehr um das gute Gefühl, sich für eine gute Sache zu engagieren. Angestellte des Öffentlichen Dienstes erhalten zudem einen zusätzlichen Urlaubstag, was bei den meisten freiwilligen Wahlhelfern nicht der Fall sein dürfte.
Ohne das freiwillige Engagement von ehrenamtlichen Wahlhelfern würde dieses System jedoch nicht funktionieren. Auch Verwaltungsmitarbeitende haben Familien und nicht alle können sonntags zur Verfügung stehen.

Ich bin froh, dass ich auch in diesem Jahr wieder als Wahlhelferin aktiv sein konnte. Auch wenn hierzulande viel auf die Politik geschimpft wird, bin ich wirklich dankbar dafür, in einem demokratischen Staat mit einem funktionierendem Rechtssystem mit freien Wahlen zu leben. Und dafür bin ich gerne bereit, meinen eigenen kleinen Beitrag leisten.

Quelle: Schulungsvideo der Stadt Rosenheim auf YouTube

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