Warum ich über Kunst lernen wollte
Im Juli wollte ich mich mit einem schönen Thema beschäftigen und gleichzeitig meine Allgemeinbildung erweitern. So kam mir der Gedanke, mich intensiver mit Kunstwerken zu beschäftigen.
Bis vor ein paar Jahren habe ich relativ häufig Kunstmuseen besucht und mich auch gerne mit dem Thema Kunst beschäftigt – zumindest mit Kunstwerken, die mir gefielen, und deren Künstlern. Ich hatte das Glück, einige Jahre lang in der Münchener Innenstadt zu arbeiten – direkt neben dem Lenbachhaus und nur wenige Gehminuten von den Pinakotheken entfernt. Ab und zu nutzte ich meine Mittagspause für einen Museumsbesuch.
In meinem Bücherregal stehen einige Kunstbücher – darunter Kunst, die man kennen sollte sowie mehrere Bildbände über Künstler, deren Werke mir besonders gefallen.
Wirklich Ahnung von Kunst hatte ich allerdings nie. Ich konnte eher sagen, ob mir ein Gemälde gefällt und warum ich es schön finde. Die tiefergehenden Fragen – wie sah das alltägliche Leben zur Zeit der Entstehung des Kunstwerks aus? Welche großen Ereignisse prägten diese Epoche? Wie lebte der Künstler und welche Einstellungen hatte er? Was war neu oder sogar skandalös an diesem Kunstwerk? Worauf wird mein Blick zuerst gelenkt? Welche Gefühle weckt das Werk? Was fällt erst auf den zweiten Blick auf? Welche Personen oder Ereignisse sind dargestellt? – solche Fragen hatte ich mir bisher kaum gestellt.
Vor diesem Hintergrund erschien es mir sinnvoll, mein Kunstverständnis systematischer zu vertiefen und im Rahmen einer Monats-Challenge etwas über Kunst zu lernen. Meine Idee war daher, an jedem Tag im Juli ein bedeutendes Kunstwerk kennenzulernen – chronologisch durch die verschiedenen Kunstepochen.
Die Vorbereitung
Zugegeben: Ich habe es mir bei der Vorbereitung ziemlich leicht gemacht.
Für die Auswahl der Kunstwerke ließ ich mir von ChatGPT einen Plan mit den bedeutendsten Werken erstellen – Kunstwerke, die entweder besonders einflussreich für ihre Epoche waren oder zu den bekanntesten Werken bedeutender Künstler zählen. Mit dem Ergebnis war ich bereits sehr zufrieden. Ich nahm nur wenige Änderungen vor und ergänzte ein zusätzliches Werk. Außerdem lieferte mir die KI gleich einen Studienplan für die täglichen Lerneinheiten sowie Empfehlungen für geeignete Plattformen.
Ein paar Tage vor Beginn der Challenge stöberte ich außerdem bei YouTube nach guten Kanälen zum Thema Kunst und entdeckte den großartigen Kanal Great Art Explained. Außerdem hatte ich bereits das Buch Kunst, die man kennen sollte im Regal. Das erschien mir als Vorbereitung zunächst völlig ausreichend – alles Weitere wollte ich spontan recherchieren.
Die Kunstwerke
Hier mein Plan mit den Kunstwerken, über die ich im Laufe des Juli gelernt habe:
| Tag | Künstler/Epoche | Werk |
|---|---|---|
| 1 | Frühe Höhlenkunst | Höhlenmalereien von Lascaux |
| 2 | Altägyptische Kunst | Büste der Nofretete |
| 3 | Griechische Kunst | Diskobolos |
| 4 | Römische Kunst | Augustus von Prima Porta |
| 5 | Mittelalter | Teppich von Bayeux |
| 6 | Giotto di Bondone | Die Beweinung Christi |
| 7 | Sandro Botticelli | Die Geburt der Venus |
| 8 | Leonardo da Vinci | Das letzte Abendmahl |
| 9 | Michelangelo | Die Erschaffung Adams |
| 10 | Raffael | Die Schule von Athen |
| 11 | Caravaggio | Die Berufung des heiligen Matthäus |
| 12 | Rembrandt | Die Nachtwache |
| 13 | Johannes Vermeer | Das Mädchen mit dem Perlenohrring |
| 14 | Francisco de Goya | Die Erschießung der Aufständischen |
| 15 | J. M. W. Turner | Rain, Steam and Speed |
| 16 | Caspar David Friedrich | Der Wanderer über dem Nebelmeer |
| 17 | Édouard Manet | Olympia |
| 18 | Claude Monet | Impression, Sonnenaufgang |
| 19 | Vincent van Gogh | Sternennacht |
| 20 | Paul Cézanne | Die Kartenspieler |
| 21 | Edvard Munch | Der Schrei |
| 22 | Pablo Picasso | Les Demoiselles d’Avignon |
| 23 | Wassily Kandinsky | Komposition VII |
| 24 | Marcel Duchamp | Fountain |
| 25 | Salvador Dalí | Die Beständigkeit der Erinnerung |
| 26 | Frida Kahlo | Die zwei Fridas |
| 27 | Edward Hopper | Nighthawks |
| 28 | Jackson Pollock | Number 31, 1950 |
| 29 | Mark Rothko | No. 14, 1960 |
| 30 | Andy Warhol | Marilyn Diptych |
| 31 | Gerhard Richter | Betty |
Die Challenge
Am 1. Juli ging es los – mit den Höhlenmalereien von Lascaux. Von ihnen hatte ich vorher noch nie gehört. Es handelt sich um etwa 17.000 bis 19.000 Jahre alte Höhlenmalereien und damit um einige der ältesten Kunstwerke der Menschheit. Die Höhle von Lascaux liegt im Südwesten Frankreichs und umfasst mehrere Säle sowie rund 250 Meter lange Gänge. Dort befinden sich etwa 2.000 Malereien und Gravuren aus der Altsteinzeit.
Entdeckt wurde die Höhle erst im Jahr 1940 von vier Jugendlichen. Seit 1963 ist sie jedoch für Besucher geschlossen, da sich Schimmel gebildet hatte und die Malereien vor weiteren Schäden geschützt werden müssen. Es existieren allerdings originalgetreue Nachbildungen der Höhle, die heute besichtigt werden können.
Ich finde das unglaublich beeindruckend.
Diese Höhle habe ich sofort auf meiner Karte mit interessanten Reisezielen gespeichert. Außerdem kamen noch weitere Höhlen mit steinzeitlichen Malereien hinzu, beispielsweise die Chauvet-Höhle oder die Höhle von Altamira in Spanien. Das erste Kunstwerk war also gleich ein spannender Einstieg in meine Kunstwerke-Challenge.
Und so ging es Tag für Tag weiter – ein Kunstwerk pro Tag. Von der Urzeit über die Antike, das Mittelalter und die Renaissance bis hin zu Barock, Romantik, Realismus, Impressionismus, Postimpressionismus, Moderne, Nachkriegsmoderne und zeitgenössischer Kunst.
Für meine täglichen Lerneinheiten nutzte ich stets mehrere unterschiedliche Quellen. Zunächst suchte ich mir eine möglichst hochauflösende Abbildung des Kunstwerks, um sie erst einmal auf mich wirken zu lassen. Anschließend stellte ich mir Fragen wie: Was sehe ich auf den ersten und was erst auf den zweiten Blick? Welche Gefühle löst das Werk aus? Welche Details fallen mir auf? Welche Geschichte könnte das Kunstwerk erzählen? Was weiß ich bereits über die Entstehungszeit und den Künstler?
Einige der ausgewählten Kunstwerke wurden in meinem Buch Kunst, die man kennen sollte beschrieben. Allerdings waren die Erläuterungen auf ein bis zwei Seiten recht knapp. Zu vielen bekannten Kunstwerken gibt es außerdem hervorragende YouTube-Videos, die viel Hintergrundwissen vermitteln. Auch auf Wikipedia oder auf den Websites der Museen, in denen die Werke ausgestellt sind, finden sich oft interessante Informationen.
Meine Erkenntnisse
Einige Werke und Künstler kannte ich bereits. Manche waren mir zwar ein Begriff, ich hatte mich aber nie intensiver mit ihnen beschäftigt, weil mich die Bilder oder Skulpturen bisher nicht besonders interessiert hatten.
Die Bilder der alten Meister aus Renaissance und Barock fand ich früher zwar handwerklich beeindruckend, weil die dargestellten Personen oft unglaublich realistisch und detailreich gemalt waren. Insgesamt wirkten die Werke auf mich jedoch eher langweilig. Dabei kannte ich die Hintergründe meist gar nicht. Ich hatte viele Bilder einfach als Darstellungen von Personen oder Landschaften abgetan, ohne mich damit zu beschäftigen, worum es eigentlich geht und weshalb sie kunsthistorisch so bedeutend sind.
Lesson Learned: Die kurzen Beschreibungen im Museum reichen nicht aus. Wer wirklich etwas über Kunstwerke lernen möchte, sollte eine Führung oder zumindest einen Audioguide nutzen.
Bei zeitgenössischer Kunst fehlte mir bisher fast jedes Verständnis. Was sollte an Farbklecksen oder großen einfarbigen Flächen so besonders sein? Mir war lange ein Rätsel, warum Werke von Künstlern wie Jackson Pollock oder Mark Rothko überhaupt als Kunst gelten. Heute weiß ich: Mir fehlte schlicht das Hintergrundwissen – und ich habe viele Werke vorschnell beurteilt.
Andere Künstler wie Frida Kahlo oder Edward Hopper haben mich dagegen schon früher begeistert. Deshalb kannte ich ihre Lebensgeschichten und viele ihrer Werke bereits. Meine Vorliebe beruhte allerdings eher auf meinem persönlichen Geschmack als auf einem tieferen Kunstverständnis. Aber wie das Sprichwort sagt: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und bei Kunst spielen Schönheit und Ästhetik natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle.
Mein Fazit: Eine schöne Challenge, die meinen Horizont erweitert hat
Diese Kunstwerke-Challenge war für mich eine echte Bereicherung und hat mir großen Spaß gemacht. Vor allem war sie eine ausgesprochen positive Challenge. Positiv deshalb, weil ich mich einen Monat lang mit einem schönen Thema beschäftigen durfte – mit Schönheit, Ästhetik, Geschichte und der Entwicklung der Kunst.
Besonders gefallen hat mir die Mischung aus historischen Hintergründen, Fakten über die Kunstwerke, eigener Interpretation und meiner persönlichen Wahrnehmung.
Für mich war dieser Monat unglaublich lehrreich. Nicht nur, dass ich die Kunstwerke heute viel besser einordnen kann. Ich glaube, dass sich mein Blick auf Kunst im Allgemeinen und auf einzelne Kunstwerke deutlich verändert hat. Jetzt geht es für mich nicht mehr nur darum, ob ich ein Bild hübsch finde oder nicht. Stattdessen möchte ich künftig mehr Fragen stellen, mehr Hintergründe erfahren und ein Kunstwerk erst verstehen, bevor ich mir ein Urteil bilde.
In meiner virtuellen Weltkarte sind im Laufe des Juli einige neue Reiseziele hinzugekommen – Kunstmuseen mit Werken, die ich irgendwann einmal im Original sehen möchte.
Bevor ich jedoch extra für Kunst verreise, habe ich ganz in meiner Nähe bereits ein interessantes Ziel entdeckt: eine Ausstellung der Pinakothek der Moderne im Schloss Herrenchiemsee. Auf meinen nächsten Museumsbesuch freue ich mich jedenfalls schon jetzt – vermutlich mit einem völlig neuen Blick auf die Kunst.
In diesem Sinne: Auf zur nächsten Challenge! Und eines kann ich schon verraten: Der August wird verrückt!
