Kintsugi – Die schöne Kunst des Scheiterns

Scheitern – was heißt das schon?

Ich frage mich, warum Scheitern in unserer Gesellschaft immer so negativ behaftet ist. Und was bedeutet überhaupt „Scheitern“?
Im Duden findet man die Bedeutung „ein angestrebtes Ziel o. Ä. nicht erreichen, keinen Erfolg haben“ und „misslingen, missglücken, fehlschlagen„.
Hmm, eigentlich eine recht sachliche Definition. Aber warum wird das Scheitern so negativ auf die Person selbst übertragen und der in der Sache gescheiterte Mensch oft gesellschaftlich verurteilt und als Loser hingestellt wird?

Bei Kindern ist es es jedem klar, dass Fehler machen ein wichtiger Teil des Lernenprozesses ist. Durch Fehler lernt man dazu und kann es beim nächsten Mal besser machen und Erfahrungen für die Zukunft sammeln. Als Erwachsener wird man hingegen oft als Versager abgewertet. Ich frage mich: Wo ist die Schwelle zwischen dem wertvollen Dazulernen und dem scheiternden Versagen?

Und außerdem ist hier auch noch kein Kontext berücksichtigt. Wer sagt denn, dass das Scheitern am Ende der Fahnenstange hängt? Ist es nicht eher so, dass das Scheitern ein Teil mitten im Prozess eines größeren Zusammenhangs steht? Ist es nicht völlig normal, richtig und wichtig, dass bei einem Projekt mehrere Entwürfe notwendig sind und im Laufe der Zeit der Kurs ein paar mal angepasst werden muss? Heißt das, die ersten Entwürfe waren gescheitert, oder waren diese ein wichtiger Teil zum Finden der Lösung, die am Ende zum gewünschten Ziel führt?

Kintsugi: eine stärkende Philosophie

Auf der Suche nach unterschiedlichen Sichtweisen zum Scheitern, bin ich bei der japanischen Kintsugi-Philosophie hängengeblieben.

Die Kintsugi-Philosophie ist die Kunst und Weltanschauung, wobei zerbrochene Schalen kunstvoll repariert werden. Die Bruchstellen werden geklebt und mit Goldfarbe nachgezeichnet, um die Schönheit der Makel hervorzuheben. Auf das Leben übertragen wird damit ausgedrückt, dass aus Scheitern und Misserfolgen neue Erfahrungen und Chancen entstehen und Rückschläge einen im Leben stärker machen.
Kintsugi schafft Empathie und Mitgefühl für Fehler der Mitmenschen und einen besseren Umgang mit dem eigenen Scheitern. Fehler und Scheitern werden als eine Bereicherung angesehen und als Motivation weiterzumachen, da kaputte oder zerbrochene Dinge jederzeit repariert werden können.

Nach dem Prinzip: Aufstehen, Krone richten, weitermachen.

Das ist eine Philosophie, die mir gefällt! Mit dieser Haltung fällt es doch gleich viel leichter, Neues auszuprobieren. Irgendetwas Gutes wird am Ende dabei herauskommen – entweder ein tolles Ergebnis oder wertvolle Erfahrungen.

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