Neuer Monat – neue Challenge
Auch im Monat Mai bin ich meinem Plan treu geblieben, jeden Monat eine neue Challenge zu wagen. Für diesen Monat stand das Thema „Vogelkunde“ auf dem Programm.
Schon seit längerer Zeit faszinieren mich Vögel. Bisher hatte ich mich allerdings nur oberflächlich mit der Ornithologie beschäftigt. Ich genieße es, Vögel zu beobachten oder ihrem Gesang zu lauschen. Besonders beeindruckt mich, wenn Ornithologen Vögel nicht nur anhand ihres Aussehens, sondern auch an ihrem Gesang, ihrem Verhalten oder ihrer Art zu fliegen erkennen können.
Deshalb kam mir die Idee, die Vogelkunde zu einer meiner monatlichen Challenges zu machen. Als ich dann auch noch den Aufruf des NABU zur „Stunde der Gartenvögel“ sah, stand meine Herausforderung für den Mai fest: Ich wollte jeden Tag etwas über mindestens eine Vogelart lernen – mit dem Ziel, am Ende des Monats die heimischen Vogelarten besser erkennen und unterscheiden zu können.
Die Vorbereitung
Nachdem ich diesen Entschluss gefasst hatte, besorgte ich mir sofort in der nahegelegenen Buchhandlung einen Vogelführer. Als weitere Wissensquelle stieß ich schnell auf den YouTube-Kanal „Ornithologie für Anfänger“ von Kalle Nibbenhagen. In seinen kurzen Videos vermittelt er interessante Informationen über einzelne Vogelarten und erklärt neben Aussehen und Gesang meist auch deren Merkmale, Verhalten und Lebensräume. Außerdem liefert er regelmäßig den einen oder anderen spannenden Fun Fact.
Mit den Apps „Vogelwelt“ vom NABU und „Merlin Bird ID“ zur Bestimmung von Vogelstimmen war ich bestens für meine Challenge gerüstet.
Die Challenge
Ganz meinem Vorhaben folgend nahm ich mir jeden Tag etwas Zeit für die Vogelkunde. So eignete ich mir täglich neues Wissen über heimische Vogelarten an. Ich schaute Videos über bestimmte Vogelarten und schlug für weitere Details im Vogelführer nach. Zusätzlich studierte ich die entsprechenden Einträge in der NABU-App oder auf Wikipedia.
Nach einigen Tagen schaute ich zur Wiederholung auch zusammenfassende Videos über heimische Gartenvögel, Greifvögel oder bestimmte Vogelgruppen.
Ich war überrascht, wie stark sich manche Vogelarten in ihren Merkmalen und Lebensweisen unterscheiden. Zu nahezu jeder Art lässt sich ein besonderes Merkmal hervorheben oder ein spannender Fun Fact erzählen. Hier einige Beispiele:
Die Singdrossel ernährt sich unter anderem von Schnecken. Um an deren Inhalt zu gelangen, sucht sie sich einen großen Stein und zertrümmert dort die Schneckenhäuser. Trifft man im Wald auf einen Stein, um den zahlreiche zerbrochene Schneckenhäuser liegen, handelt es sich um eine sogenannte Drosselschmiede.
Das Rotkehlchen ist sowohl Stand- als auch Zugvogel. Einige Exemplare bleiben ganzjährig in Deutschland, andere überwintern bei uns, während wiederum andere den Sommer hier verbringen und im Winter in wärmere Regionen ziehen. Dadurch lässt sich das Rotkehlchen das ganze Jahr über bei uns beobachten.
Störche kehren zum Brüten über viele Jahre hinweg zum selben Nest zurück und bauen dieses jedes Jahr weiter aus. Dadurch können alte Horste gewaltige Ausmaße annehmen und bis zu zwei Tonnen schwer werden.
Mauersegler sind wahre Rekordhalter in Sachen Flugzeit: Außerhalb der Brutzeit können sie bis zu zehn Monate ununterbrochen in der Luft verbringen.
Und so lässt sich über beinahe jede Vogelart etwas Besonderes erzählen. Ist das nicht faszinierend?
Die Stunde der Gartenvögel
Vom 4. bis 8. Mai fand die jährliche „Stunde der Gartenvögel“ statt, eine bundesweite Vogelzählung des NABU. Das Vorgehen ist ganz einfach: Man sucht sich einen festen Platz im Garten, auf dem Balkon oder im Park und beobachtet dort eine Stunde lang die Vögel. Gezählt wird die höchste Anzahl einer Vogelart, die gleichzeitig zu sehen ist.
Für mich war sofort klar, dass ich an dieser Aktion teilnehmen wollte.
Also machte ich es mir an einem Samstagnachmittag auf einer Parkbank im Riedergarten, einem schönen Park in der Rosenheimer Innenstadt, gemütlich. Ausgestattet mit meinem Vogelführer und den bereits genannten Apps hielt ich eine Stunde lang Ausschau nach den gefiederten Parkbesuchern.
Die bekannteren Vogelarten ließen sich leicht erkennen und zählen. Bei Arten, die ich nicht sofort identifizieren konnte, half mir die Foto- und Gesangserkennung von Merlin Bird ID weiter.
Im Laufe der Stunde konnte ich zahlreiche unterschiedliche Vogelarten beobachten. Zu meiner Überraschung entdeckte ich sogar einige Alpendohlen, die man eigentlich eher im alpinen Gelände antrifft. Mittlerweile weiß ich, dass sich Alpendohlen in den kalten Monaten auch in tiefere Lagen zurückziehen. Da Rosenheim so nah an den Alpen liegt, war ihre Anwesenheit im Park also gar nicht so ungewöhnlich.
Die Stunde verging wie im Flug und war für mich ausgesprochen entspannend. Durch die Meldung meiner Beobachtungen konnte ich außerdem einen kleinen Beitrag zum Vogelschutz leisten. Für mich eine rundum gelungene Aktion.
Vogelarten, über die ich gelernt habe
1 Kuckuck (legt seine Eier fremdes Nest, Küken wirft die anderen Eier aus dem Nest), Singdrossel (Drosselschmiede)
2 Alpendohle (Bewohner der Alpen, gelber Schnabel und rote Füße), Alpenbraunelle (lebt auf einer Höhe von 1800 bis 3000 Metern)
3 Mönchsgrasmücke (4. häufigster Gartenvogel)
4 Kleiber (kann kopfüber klettern), Rotkehlchen (Zugvogel über das ganze Jahr in Deutschland)
5 Buchfink (kann mir vollem Schnabel singen), Haussperling/Spatz (isst gerne Döner)
6 Nachtigall (singt nachts), Sprosser (fast zu verwechseln mit der Nachtigall, aber andere Region)
7 Gimpel (Dompfaff), Zilpzalp (singt wie er heißt), Fitis (leicht zu verwechseln mit Zilpzalp, zu unterscheiden an den hellen Beinen)
8 Zaunkönig (Klein und sehr laut)
9 Eichelhäher (war im 19. Jahrhundert vom Aussterben bedroht), Heckenbraunelle (leicht zu verwechseln mit dem Spatz)
10 Amsel (mag keine kalten Füße, reißt aus Wut Krokusse aus), Grünfink (Grünling)
11 Blaukehlchen (hält sich gerne an Gewässern auf), Eisvogel (lebt an sauberen Gewässern)
12 Feldlerche (Die Faseltante am Himmel der Agrarwirtschaft), Mauersegler (kann monatelang am Stück fliegen ohne Zwischenlandung)
13 Sumpfrohrsänger (imitiert Gesang anderer Vogelstimmen), Hausrotschwanz (singt schon eine Stunde vor Sonnenaufgang)
14 Stieglitz (Distelfink), Star (spektakuläre Formationsflüge, Imitationskünstler)
15 Blaumeise (zwei Paare helfen sich gegenseitig beim brüten und füttern), Kohlmeise (3. häufigster heimischer Gartenvogel)
16 Sperber (der unsichtbare Jäger), Habicht (größer als der Sperber)
17 Waldschnepfe (wurde für Hutschmuck bejagt – WTF), Neuntöter (spießt seine Essensvorräte an Dornen und Zäune auf)
18 Kiebitz (Bestand ist in den letzten 40 Jahren um 93% zurückgegangen), Wasseramsel (Singvogel, ist nicht mit der Amsel verwandt)
19 Kolkrabe (sehr intelligent), Rabenkrähe (merken sich Gesichter)
20 Goldammer (Gesang klingt wie: ich ich ich ich ich ich hab dich sooo lieb), Girlitz (großer Kopf und teilweise zitronengelb), Erlenzeisig (gelbe fluffige Kugel)
21 Bluthänfling (harmloser Fink mit roter Brust), Schwarzkehlchen (klingt wie das Klappern einer Tastatur)
22 Rauchschwalbe (nistet in Innenräumen), Mehlschwalbe (baut Lehmnester an Hauswänden)
23 Gebirgsstelze (knallgelber Bauch, metallischer Gesang), Bachstelze (langer wippender Schwanz)
24 Schwanzmeise (hat eine borstige Zunge, mag Gruppenkuscheln), Wendehals (Specht, der keine Höhlen baut, Langstreckenzieher)
25 Grünpecht (aka Erdspecht, folgt geregeltem Tagesablauf), Buntspecht (sein Trommeln ist ca. 800 Meter weit hörbar)
26 Sommergoldhähnchen (Winzlinge mit gelber Irokesenfrisur) und Wintergoldhähnchen (die kleinsten Vögel Europas)
27 Turmfalke (kann UV-Licht wahrnehmen, ist kein biologisch gesehen kein echter Greifvogel), Rotmilan (vor allem in Deutschland ansässig)
28 Tannenhäher (Meister der Vorratshaltung), Stroch (Storchennest wird immer wiederverwendet und angebaut, kann bis zu 2 Tonnen schwer werden)
29 Steinadler (mit über 250 km/h im Sturzflug eines der schnellsten Tiere der Welt), Mäusebussard (der häufigste Greifvogel in Deutschland)
30 Rebhuhn (Vogel des Jahres 2026), Auerhahn (vom Aussterben bedroht)
31 Alpenschneehuhn (im Winter schneeweiß, im Sommer braun), Birkhuhn (vom Aussterben bedroht)
Fazit: Mein Interesse für die Ornithologie ist geweckt
Im Laufe des Monats habe ich viel über heimische Vogelarten gelernt. Ich kann noch nicht alle Vögel auf Anhieb erkennen, aber ich identifiziere zunehmend Arten anhand ihres Aussehens, ihres Gesangs oder ihrer Flugweise.
Mittlerweile höre ich deutlich aufmerksamer hin, sobald ich Vogelgezwitscher wahrnehme. Sofort halte ich Ausschau nach dem Verursacher und versuche, sein Verhalten zu beobachten.
Mein Interesse an der Vogelkunde ist definitiv geweckt, und ich möchte auch in Zukunft weiter über Vögel dazulernen. Die Challenge war für mich daher ein voller Erfolg – und sicherlich erst der Anfang meiner Beschäftigung mit der Ornithologie.
