H3CKE – Makerspace gleich um die Ecke
Seit etwa einem halben Jahr gibt es in Rosenheim einen Makerspace – Die H3CKE. Das ist eine offene Werkstatt mit Bereichen für Keramik, 3D-Druck, Elektronik, Textiles Handarbeiten und einer Holzwerkstatt. Das Prinzip ist ganz einfach: Man wird Mitglied auf Spendenbasis – dann kann man die Werkstätten so oft und so lange nutzen, wie man möchte und bezahlt für Material und die Nutzung der Maschinen einen kleinen Beitrag. Das coole ist, man kann alle möglichen neuen Sachen ausprobieren und es sind immer Leute da, die man fragen kann und die einem weiterhelfen.
Außerdem werden im Makerspace verschiedene Kurse angeboten. Das kam mir bei meinem Vorhaben, mehr neue und kreative Dinge auszuprobieren, sehr gelegen.
Der Töpferkurs
Im Dezember war ich beim Kurs „Töpfern an der Töpferscheibe“. Der Gedanke, am Sonntag drei Stunden lang ordentlich mit Ton matschen und dabei einen Kaffeebecher herzustellen, war ganz nach meinem Geschmack.
Los ging es damit, den Ton abzuwiegen und den rohen Tonklumpen ordentlich zu kneten, damit zum einen die Feuchtigkeit im Ton gleichmäßig verteilt wird und zum anderen, damit alle Luftbläschen herausgeknetet werden. Und dann ging es mit dem Ton, einer Schüssel Wasser und einem Schwamm ab an die Drehscheibe.
Erst mal wurde der Ton mit etwas Schwung mittig auf die Drehscheibe geklatscht und zu einem runden Puk geformt, damit dieser gut an der Scheibe haftet und einem nicht sofort wieder um die Ohren fliegt. Dann wurde mit den Fingern eine kleine Kuhle in die Mitte des Puks gedrückt und mit Wasser gut befeuchtet – und dann konnte es losgehen mit dem Drehen.
Mein erstes Versuchsobjekt sollte ein Kaffeebecher werden. Mit etwas Fingerspitzengefühl entstand auch recht schnell ein becherförmiges Objekt – erst hatte ich den Ton in den gewünschten Umfang gearbeitet und dann zog ich die Wand in die Höhe. Das fühlte sogar relativ einfach an. Nach ein paar Minuten war die Wand fast in der gewünschten Höhe und Dicke – dann ging die Misere los. Je dünner die Tonwand wurde, desto mehr geriet die Form ins herum eiern und – so schnell konnte ich kaum schauen – ist das ganze Gebilde in sich zusammengefallen. Und schon fühlte sich das ganze gar nicht mehr so einfach an…
Also neuer Versuch – Ton kneten, Puk auf die Scheibe donnern und losdrehen. Beim zweiten Versuch war ich dann etwas vorsichtiger beim Hochziehen der Außenwand und ich entschied mich dann doch für einen etwas niedrigeren Becher für mein erstes Töpferstück. Das fertig getöpferte Teil wurde mit einem Draht von der Drehscheibe gelöst und auf ein Brett zum Trocknen zur Seite gestellt.
Nachdem noch etwas Zeit und jede Menge Ton übrig waren, hatte ich anschließend noch zwei kleine Schalen für Joghurt oder Müsli getöpfert. Die Schalen gingen dann schon direkt etwas leichter von der Hand. Ein Schälchen wurde etwas breiter und flacher, das andere etwas schmäler und bauchiger.
Den andere Kursteilnehmenden war es ziemlich ähnlich ergangen. Manche Stücke zerstörten sich von selbst, ein paar Teile wurden etwas krumm und bucklig und wieder andere Teile wurden richtig schön. Aber in jedem Fall hatten wir alle großen Spaß am Töpfern.
Die getöpferten Gefäße waren noch recht unsauber, vor allem unten an der Schnittstelle, aber noch viel zu weich um diese schön glatt zu bekommen. Deshalb mussten die Sachen einen Tag lang trocknen um diese am Folgetag abzutöpfern – sprich mit speziellen Werkzeugen nochmals abzuschleifen und z. B. an der Unterkante eine schöne Kante zu fräsen.
Jetzt hatten wir die Wahl – entweder wir kommen am Folgetag nochmals zum Abtöpfern vorbei oder die Töpferlehrerin übernimmt das Abtöpfern für uns. Da ich am Folgetag leider keine Zeit hatte, entschied ich mich für die zweite Variante.
Mit dem nächsten Schritt, dem Glasieren, ging es dann in Eigenregie weiter. Dafür mussten die rohen Gefäße vorher allerdings einmal gebrannt werden. Dieser erste Brennvorgang bei ca. 900 bis 950° C heißt „Schrühbrand“, dadurch wird der Ton richtig gehärtet und bereit für die Glasur. Wann genau der nächste Schrühbrand stattfinden sollte, stand noch nicht fest. Vermutlich aber Anfang Januar. Verständlicherweise wird im Makerspace mit dem Brennen immer so lange abgewartet bis genügend Stücke zusammen gekommen sind um den Ofen voll zu bekommen.
Weiterbearbeitung ein paar Wochen später
Im Januar ging ich also nochmals zum Glasieren in die H3CKE. Meine drei Teile hatte ich schnell im vollen Regal mit den gebrannten Töpferwaren gefunden. Blöderweise wurden die Sachen vergessen abzutöpfern und sahen noch ziemlich wüst aus. Somit war etwas mehr Aktion gefordert, um die Teile noch zu retten. Aber auch das sollte im Makerspace kein Problem sein. Mit einer Schleifscheibe, die ich auf die Töpferscheibe montieret hatte, sowie etwas Schleifpapier aus der Holzwerkstatt, konnte ich meine Kunstwerke bearbeiten. Mit etwas Zeit und viel Geduld konnte ich alle überschüssigen Kanten und unsauberen Ränder abschleifen. Jetzt waren die Teile endlich bereit zum Glasieren.
An der Wand hingen kleine glasierte Tonscheiben als Farbmuster und die Auswahl an Glasuren war groß. Für meinen Becher hatte ich mich für einen dunklen Braunton entschieden und für meine beiden Schälchen wählte ich eine rosa und hellgrüne Glasur aus.
Ein Profi fürs Töpfern und Glasieren stand auch gleich mit ein paar Tipps bereit. Im ersten Schritt hatte ich jedes Teil gleichmäßig mit Glasur eingepinselt und dabei ein paar Millimeter vom Boden weg ausgespart, damit keine Glasur auf den Brennofen tropfen kann. Dann kurz warten bis alles angetrocknet war und dann das Ganze noch zwei mal wiederholen. Nachdem jedes Teil mit drei Schichten Glasur eingepinselt war, ging es ans Pinsel auswaschen und aufräumen und mein DIY-Tag war somit beendet. Der nächste Glasurbrand war für etwa ein bis zwei Wochen angekündigt – je nachdem wann genügend Teile für eine Ofenladung zusammenkommen würden.
Die neuen Stücke ziehen im Küchenschrank ein
Nach einer guten Woche war es dann soweit: Die Nachricht in der WhatsApp-Gruppe, dass der Glasurbrand fertig ist und ein kleines Video mit allen gebrannten Teilen im Regal. Welches meine Stücke sind, konnte ich nur erraten, da die Farbe der Glasur im fertig gebrannten Zustand kaum wiederzuerkennen ist. Am nächsten Tag holte ich sie gleich ab. Und so haben wir ein paar neue Geschirrstücke im Schrank.
Lust auf mehr Töpfern
Ich muss zugeben – die Teile sehen absolut nicht perfekt aus. Es sind eher Unikate im Grundschul-Handarbeitsklassen-Style. Aber für meine ersten Töpferversuche bin ich ganz zufrieden und irgendwie haben die Sachen auch Charakter. Perfekt unperfekt. Meine kleine grüne Schale habe ich jetzt schon ein paar mal gerne benutzt.
Der Töpferkurs hat mir großen Spaß gemacht und ich habe Lust darauf, ab jetzt öfter zu töpfern.




