Vogelspaziergang in den Nicklheimer Filzen: Ein Moor voller Überraschungen

Gestern ging es für mich auf einen Vogelspaziergang in die Nicklheimer Filze bei Raubling – und was für ein Erlebnis das war! Nur 20 Minuten von zu Hause entfernt liegt ein Stück wilder Natur, das sich wie ein versteckter Urwald anfühlt.

Ein Hochmoor mit bewegter Geschichte

Die Nicklheimer Filze sind ein rund 600 Hektar großes Hochmoor-Gebiet mit einer spannenden Vergangenheit. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier Torf abgebaut – zuerst als Brennstoff, später vor allem als Blumenerde. Erst 2006 endete der Abbau, und seitdem wird das Gebiet umfassend renaturiert, um das einzigartige Ökosystem wiederherzustellen. Und das mit Erfolg: Langsam verwandelt sich das Moor zurück in eine wilde, mystische Landschaft.

Schon 1989 wurden die Filze zum Landschaftsschutzgebiet erklärt, und 2021 folgte die Aufnahme in die Liste der „Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung“. Ein echter Hotspot für Naturliebhaber!

Auf Tour mit der VHS und einem Vogelkundler

Ich war nicht allein unterwegs, sondern in einer kleinen Gruppe der VHS – begleitet von einem erfahrenen Vogelkundler. Nach einer kurzen, 20-minütigen Autofahrt traf ich pünktlich am Treffpunkt ein: dem Parkplatz der Moorstation Nicklheim.

Schon von Weitem erkannte ich „meine“ Gruppe: Ein paar Leute mit Ferngläsern und Kameras mit riesigen Objektiven standen bereit. Schnell in die Anwesenheitsliste eingetragen – und los ging’s!

Eine andere Welt: Biber, Schilf und leuchtendes Moos

Vom Parkplatz aus führte uns ein gut ausgebauter Wanderweg direkt ins Moor – und nach nur wenigen Metern fühlte es sich an, als wären wir in einer anderen Welt.

Zuerst passierten wir einen Biberdamm. Der Biber hatte hier ganze Arbeit geleistet: Überall lagen angespitzte Baumstämme, und ein Baum war so stark angenagt, dass er jeden Moment umzukippen drohte.

Weiter ging es durch etwa drei Meter hohes Schilf vorbei an einem Waldstück, dessen Boden mit leuchtend grünem Moos überzogen war.

Ich war sofort begeistert: So ein wildromantisches Fleckchen Natur – und das quasi vor der Haustür!

Graugänse, Kreuzottern und ein grandioser Aussichtspunkt

Nach ein paar hundert Metern erreichten wir den ersten Aussichtspunkt. Von hier aus hatten wir einen fantastischen Blick über das Moor – und konnten einen großen Schwarm Graugänse beobachten. Ein Hinweisschild („Vorsicht! Kreuzotter-Gebiet“) erinnerte uns daran, dass wir hier nicht die einzigen Besucher waren.

Zurück auf dem Wanderweg ging es weiter zur Moorstation. Unterwegs passierten wir den 1,1 Kilometer langen „Weltpfad“ mit Lehrstationen, die anschaulich über die Entstehung der Erde und die Klimaentwicklung informieren.

Das „Grüne Klassenzimmer“ – und ein Vogelparadies

Unser nächster Stopp war das „Grüne Klassenzimmer“ – eine Hütte voller ausgestopfter Vögel und Tiere. Als Tierfreund wollte ich zuerst protestieren und rückwärts wieder hinaus, aber am Ende war es doch spannend: Ich lernte, wie man Steinmarder von Baummardern unterscheidet, Iltisse von Wieseln – und zahlreiche Vogelarten.

Direkt daneben lag ein echtes Vogelparadies: Auf einer kleinen Wiese zwischen den Bäumen tummelten sich Buch- und Bergfinken, Sumpf-, Kohl- und Tannenmeisen, ein Kleiber, Dompfaffen, ein Eichelhäher und Grünfinken. Hier hätten wir stundenlang verweilen können!

Doch unser Ziel war das Moor – also marschierten wir weiter.

Der Aussichtsturm: Weitblick, Rehe und ein flüchtiger Eisvogel

Vorbei an den überwachsenen Schienen der alten Bockerlbahn (einer ehemaligen Torf-Transportbahn) und der Mittagshütte (einst Aufenthaltsort der Torfarbeiter) erreichten wir endlich den Aussichtsturm.

Oben angekommen, bot sich uns ein atemberaubender Blick: das weite Moor, die Bayerischen Voralpen, die Chiemgauer Alpen – und im Hintergrund das Kaisergebirge mit dem markanten Ellmauer Halt. Einfach grandios!

Mit einem fest installierten Fernrohr und Bestimmungstafeln für Vögel machten wir uns auf die Suche. Ein paar Meisen flatterten vorbei, Stockenten schwammen gemütlich im Wasser, und in der Ferne hörten wir die Graugänse. Ein Stück weit vor uns entdeckten wir zwei Rehe, die uns neugierig zu beobachten schienen.

Dann kam der ersehnte Besucher – Ein Eisvogel!Nur für einen kurzen Moment war er im Flug zu sehen – aber was für ein Anblick!

Leider blieben die Vögel an diesem Tag eher zurückhaltend. Doch als Entschädigung gab es einen wunderschönen Sonnenuntergang, der die Berggipfel des Kaisergebirges in orange-rot leuchten ließ.

Eigentlich hatten wir noch auf Kraniche gehofft, die hier fast täglich um diese Zeit vorbeikommen. Doch heute blieben sie aus. Als es langsam dunkel und kalt wurde, verabschiedeten wir uns von zwei neugierigen Rehen – und machten uns auf den Rückweg.

Fazit: Ein Ausflug, der Lust auf mehr macht

Auch wenn wir nicht viele Vögel zu Gesicht bekamen – es war ein wunderbarer Ausflug. Die Nicklheimer Filze sind ein echter Geheimtipp und ich komme ganz bestimmt bald wieder!

Vielleicht ja mit mehr Glück bei den Kranichen – oder einfach nur, um diese magische Landschaft noch einmal zu genießen.

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