Zeit Neues auszuprobieren
Am letzten Wochenende war ich wieder handwerklich unterwegs – und zwar hatte ich einen zweitätigen Workshop „Schreinern für Anfnger:innen – Ein Schneidebrett aus Massivholz“ gemacht.
Wie ich ja schon öfter erwähnt habe, versuche ich zur Zeit möglichst viel Neues auszuprobieren und in alle möglichen Richtungen dazuzulernen. Und nachdem meine handwerklichen Fähigkeiten – ich nenne es mal ausbaufähig sind, fand ich diesen Kurs für mich sehr spannend.
Auf die Idee mit dem Schreinerkurs war ich ehrlich gesagt nicht von selbst gekommen, sondern Mein Mann hatte mir diesen Kurs empfohlen. Er hatte diesen Kurs selbst schon gemacht und war davon total begeistert. Arbeiten mit Holz, handwerkliche Grundlagen und den Umgang mit den Maschinen lernen, und dabei auch noch ein Schneidebrett selbst herstellen – das klang doch wirklich super. Also habe ich mich kurzerhand auch dafür angemeldet.
Schreinerkurs im Makerspace – Tag 1
Wie auch schon neulich der Töpferkurs, fand auch dieser Workshop in der H3CKE, dem Makerspace in Rosenheim, statt. Samstag Vormittag um 10 Uhr ging es los. Der Makerspace ist bei mir gleich ums Eck, deshalb konnte ich den Samstag morgen noch gemütlich angehen und ein paar Minuten vorher losgehen. Dort angekommen, trudelten auch gleich die anderen Kursteilnehmerinnen ein. Nachdem ein Teilnehmer kurzfristig abgesagt hatte, waren wir nur zu dritt – eine kleine aber feine Frauenrunde.
Julius, unser Kursleiter, gab uns zu Beginn des Kurses ein ausführliche Schulung in Sachen Gefahrenschutz und Sicherheitsinstruktionen im Umgang mit den Maschinen in der Holzwerkstatt. Bei falschem Umgang mit Kreissäge, Hobel & Co. kann natürlich einiges schiefgehen und auf abgesäbelte Finger, taube Ohren und Holzspäne im Auge können wir gut und gerne verzichten. Nach dem Sicherheits-Briefing ging es weiter mit den Grundlagen der Holzbearbeitung und einiger interessanter Infos über die unterschiedlichen Holzarten.
Nach so viel Theorie ging es langsam in den praktischen Teil über. Das Material für unsere Schneidebretter waren ein altes, unbearbeitetes Stück Eschenholz und eine alte Treppenstufe aus Eichenholz. Mit dem ersten Schritt – den Besäumschnitt – hatte Julius noch als Vorführung der Formatkreissäge für uns vorgenommen. Ab dann waren wir Kursteilnehmer selbst an den Maschinen aktiv.
Zunächst schnitten wir unsere Eschenholzbohlen rechteckig zu. Dann ging es weiter an den Abrichthobel, um alle Seiten unserer Bohlen in einem sauberem 90° Winkel zu hobeln. Nach einem kleinen Umbau des Hobels, ging es damit weiter, das Holz plan zu hobeln. Dafür hatten wir unsere Holzbohlen so lange durch den Hobel geschoben, bis wir die Ober- und Unterseite perfekt plan hatten. Das war mit der langwierigste Teil, da leider ständig neue Unebenheiten aufkamen. Julius meinte, dass das an der leider schon etwas älteren und Maschine lag. Da die H3CKE als gemeinnützige Organisation über kein riesiges Budget verfügt und daher auf gebrauchte Geräte als Ausstattung zurückgreift, muss der Workspace noch etwas auf einen besseren Hobel sparen. Aber das sollte uns nicht weiter stören – dann schoben wir unsere Holzstücke eben ein paar mal mehr durch den Hobel.
Als wir mit unseren Ergebnissen soweit zufrieden waren, ging es wieder zurück an die Formatkreissäge, um die Bohlen in gleichmäßig dicke Riegel zu sägen, diese sollten später an der schmalen Kante zu einem Brett aneinander gesetzt werden.
Die Eichenholzplatte sollte als kleiner Kontrast für unsere Eschenholzbretter gelten, deshalb war eine Bohle ausreichend für uns alle. Da es aus einer bereits planen Treppenstufe recycelt wurde, war hier nicht sonderlich viel Aufwand für die Weiterbearbeitung notwendig. Kurz mit der Formatkreissäge zurechtgeschnitten und ein paar mal durch den Hobel durchgelassen – und schon konnten auch hieraus ein paar Riegel gesägt werden.
Nachdem wir unsere Eschenholzbretter also in Riegel gesägt hatten, zeigte sich, wie die Maserung unseres Holzes aussah. Bevor es ans Zusammensetzen und Verleimen ging, folgte eine kleine theoretische Lektion über die Verleimregel – also
Und jetzt ging das puzzeln los. Jeder Riegel hatte eine andere Struktur und einzigartige Maserung. Jedes Stück wurde in alle Richtungen gedreht und gewendet, um ein möglichst schöne und harmonisches Bild für unsere Bretter zu bekommen. Als wir uns jeweils für die Anordnung unserer Holzstücke entschieden hatten, ging es weiter mit dem Verleimen. Damit wir unsere Bretter später wieder im gewünschten Muster zusammensetzen konnten, ohne mit dem Puzzle wieder von vorne anfangen zu müssen, zeichneten wir mit dem Bleistift ein V als Markierung über die komplette Fläche. Jetzt mussten wir nur noch die schmalen Kanten mit Holzleim bestreichen, die Riegel wieder zusammensetzen und mit Schraubzwingen fest zusammenhalten. Nach etwa 20 Minuten konnten wir den überschüssigen Leim abwischen. Dann ging es noch kurz ans Aufräumen, dann war unser erster Tag nach ca. sechs Stunden beendet.






Schneidebrett schreinern – Tag 2
Am Sonntag ging es gleich weiter mit dem zweiten Teil. Über Nacht war der Holzleim gut getrocknet und hatte unsere Holzstücke in stabile Bretter verwandelt. Somit konnten wir es aus den Schaubzwingen befreien und mit einem Meisel vorsichtig von die gröbsten Leimkleckse entfernen.
Dann ging es wieder an die Hobelmaschine und wie gestern, schoben wir unsere Bretter wieder so lange durch den Hobel, bis die Ober- und Unterseite perfekt plan waren. Allerdings gingen wir heute sehr viel vorsichtiger vor und nahmen bei jedem Durchgang nur einen Bruchteil eines Millimeters ab, damit die Holzfasern möglichst nicht ausgerissen werden.
Jetzt ging es ans Bearbeiten der Seiten. Dafür standen uns verschiedene Möglichkeiten offen wie z. B. abgerundete Kanten oder halbrunde Kanten am Boden. Ich entschied mich für viereckige Ränder, symmetrisch im 45°-Winkel. Dafür konnte ich ganz einfach die Formatkreissäge nutzen.
Die Frage war nur – wie groß soll mein Brett werden? Etwa zwei Drittel des Bretts hatte ein schönes Muster und das andere Drittel wies ein paar Astlöcher und dunkle Kerben auf. Also lieber ein kurzes und gleichmäßiges Brett oder ein längeres Brett mit Ecken und Kanten? Nach kurzer Überlegung entschied ich mich für die längere edgy-Version. Ein gleichmäßiges Brett finde ich schließlich in jedem Laden, mein Brett darf Charakter haben mit Ecken und Kanten. Und notfalls kann ich es schließlich jederzeit kürzen.
Also sägte ich mein Brett auf das gewünschte Maß – und es sag gar nicht mal so schlecht aus. Mit wenigen Handgriffen ließ sich das Sägeblatt der Formatkreissäge in einen 45°-Winkel neigen – sehr praktisch! Erst testete ich die Einstellungen der Säge mit ein paar Musterschnitten an einem Probestück, bis ich die Maße für mein Brett gefunden hatte, um einen symmetrischen Rand zu bekommen. Dann konnte ich meine Kanten ganz easy zurechtsägen. Dann sah mein Brett schon ziemlich gut aus.
Weiter ging es mit dem Schleifen der Bretter. Dafür verwendeten wir erst den Exzenterschleifer mit einer 80er Körnung, dann im zweiten Durchgang mit 120er Körnung. Der letzte Feinschliff folgte in Handarbeit mit Schleifpapier. Jetzt sah das Brett schon richtig gut aus.
Und somit ging es auch schon an den letzten Arbeitsschritt, dem Ölen. Mit einem Gemisch aus Leinöl und Bienenwachs bekam mein mein Brett von allen Seiten eine gleichmäßige Öl-Massage. Jetzt kam das Muster und die Struktur des Holzes erst richtig gut zur Geltung. Nochmals Abreiben, um das überschüssige Öl abzunehmen – und fertig war das gute Stück. Mein selbst geschreinertes Schneidebrett.
Damit ging der zweite Tag meines Schreinerkurses zu Ende. Nach ca. fünf Stunden ging ich stolz und happy mit meinem Brett unterm Arm nach Hause.




Fazit: Ein neues Schneidebrett, Spaß am Schreinern und viel dazugelernt

Für mich war das Schreinern eine ganz neue Erfahrung. Der Umgang mit Holz als Werkstoff war wirklich toll. Der Holzgeruch und zu beobachten, wie sich die Beschaffenheit des Holzes bei jedem Arbeitsschritt verändert, machen die Arbeit mit Holz schon sehr besonders. Ich habe viel über das Material Holz, den Umgang mit den Maschinen und handwerkliches Arbeiten gelernt und hatte dabei auch noch großen Spaß. Für mich war dieser Schreinerkurs ein tolles Erlebnis und habe mit meinem neuen Brett auch noch ein tolles Ergebnis bekommen. Es hat sich mal wieder gelohnt, etwas Neues auszuprobieren. Mal sehen, was als nächstes folgt…
